Wie Vaidio Wildtiererkennung mit Echtzeit-Verkehrswarnungen verbindet
Auf (ländlichen) Straßen in den Niederlanden stellen Wildtiere seit Jahren ein erhebliches Risiko für die Verkehrssicherheit dar. Kollisionen führen zu Schäden, Verzögerungen und leider auch zu Verletzungen. Gleichzeitig hat das Problem auch eine ökologische Dimension: Tiere, die Straßen nicht mehr sicher überqueren können, werden von ihrem Lebensraum abgeschnitten – mit Auswirkungen auf die Biodiversität.
Für ProWild war dies der Anlass, über traditionelle Warnsysteme hinauszudenken. Die Frage war nicht nur, wie Tiere früher erkannt werden können, sondern vor allem, wie diese Informationen schnell genug in konkrete Warnungen für Verkehrsteilnehmer umgesetzt werden können.
AISecure 360: eine vernetzte Technologiekette
Aus dieser Ausgangssituation entstand AISecure360: eine Lösung, in der Detektion, Kameratechnologie, KI-Videoanalyse und Verkehrssteuerung zu einer funktionierenden Gesamtkette zusammengeführt werden. Genau das macht diese Innovation so interessant. Im Mittelpunkt steht nicht ein einzelnes Produkt, sondern das Zusammenspiel verschiedener Technologien.
Gert Hamberg von ProWild: „Wildunfälle sind ein strukturelles Problem, das nicht nur materielle Schäden verursacht, sondern auch Risiken für Fahrer, Passagiere und die Biodiversität mit sich bringt. Aus dieser Dringlichkeit heraus suchte ProWild nach einer Lösung, die frühzeitig erkennt, zuverlässig bewertet und nur dann reagiert, wenn es wirklich notwendig ist. Die Herausforderung lag also nicht allein in der Detektion, sondern darin, ein System zu entwickeln, das in der Praxis tatsächlich funktioniert.“
Von Radar über Kamera zur Analyse
Innerhalb von AISecure360 beginnt der Prozess mit der Radartechnologie von Magos Systems, die Bewegungen im Umfeld der Straße erkennt. Sobald etwas Relevantes erfasst wird, übernimmt eine Predator-PTZ-Kamera von 360 Vision Technology. Sie zoomt automatisch auf das Objekt und verfolgt es, sodass sofort verwertbares Bildmaterial für die weitere Analyse zur Verfügung steht.
Anschließend kommt Vaidio ins Spiel, die KI-Videoanalyseplattform von VAIBS. Vaidio analysiert in Echtzeit, was genau zu sehen ist, bewertet, ob ein relevantes Risiko vorliegt, und liefert die notwendige Intelligenz, um automatisch Verkehrswarntafeln anzusteuern und Verkehrsteilnehmer zu informieren. Bei Bedarf können auch weitere Maßnahmen eingeleitet werden.
Die Stärke dieses Ansatzes liegt darin, dass die Technologien nicht nebeneinander existieren, sondern nahtlos ineinandergreifen. Andy Payne von Magos Systems betont: „Zuverlässige Detektion erfordert stabile Leistung unter unterschiedlichsten Bedingungen. Doch erst wenn Radar, Kamera und Analytik so zusammenarbeiten, dass sie eine Einheit bilden, entfaltet das Projekt seine volle Wirkung. Genau darum geht es bei dieser Innovation. Das Radar erkennt etwas, die Kamera macht es sichtbar, Vaidio versteht die Situation und das Verkehrssystem setzt dies in konkrete Maßnahmen um.“
Zuverlässige Bildqualität unter anspruchsvollen Bedingungen
Die Rolle der Kamera geht dabei weit über das reine Erfassen von Bildern hinaus. Entlang von Straßen sind die Bedingungen selten ideal: Dunkelheit, Gegenlicht, Regen und große Distanzen erfordern ein System, das dauerhaft verlässliche Bilder liefert. Die Predator-Kamera spielt hier eine entscheidende Rolle.
Adrian Kirk von 360 Vision Technology hebt hervor, wie wichtig Bildqualität für eine präzise Analyse ist: „Wenn Software beurteilen muss, was genau erfasst wird, beginnt alles mit einem Bild, dem man vertrauen kann. Dank leistungsstarkem optischem Zoom und sehr guter Performance bei schlechten Lichtverhältnissen entsteht genau diese Zuverlässigkeit – auch auf Strecken, bei denen herkömmliche Systeme deutlich mehr Infrastruktur benötigen würden. Das bringt nicht nur technische Vorteile, sondern macht die Lösung auch praktischer und effizienter einsetzbar.“
Vaidio als verbindende Ebene zwischen Technologien
Die Rolle von Vaidio ist besonders interessant, da die Plattform nicht als isoliertes Endprodukt fungiert, sondern als verbindende Ebene zwischen bestehenden Technologien. In diesem Anwendungsfall zeigt Vaidio, was Integration in der Praxis bedeutet: vorhandene Systeme nutzen und mit Intelligenz erweitern. Das Radar liefert den Trigger, die Kamera den Kontext, die Verkehrsinfrastruktur wartet auf ein Signal. Vaidio verbindet diese Elemente zu einer funktionierenden Gesamtlösung. Dadurch entsteht ein System, das nicht nur erkennt, sondern auch klassifiziert, interpretiert und handelt.
Mehr als nur Wildtiererkennung
Jos Stijkel, International Business Development Manager bei VAIBS, betont zudem die breitere Anwendbarkeit der Lösung: „Diese Zusammenarbeit ist äußerst leistungsfähig und beweist sich bereits heute entlang von Autobahnen in den Niederlanden. Gleichzeitig gibt es viele weitere Einsatzorte, an denen diese Lösung einen großen Mehrwert bietet. In Bereichen mit erhöhtem Sicherheitsbedarf können mit minimalem Installationsaufwand große Areale abgedeckt werden. Radarsysteme erreichen bis zu 1.000 Meter – ebenso wie die Kameras. Doch reines Sehen reicht nicht aus – entscheidend ist die Bewertung des Risikos.
Genau deshalb ist diese Anwendung auch für andere kritische Infrastrukturen interessant, etwa für Energieversorgung, Flughäfen, Bahnstrecken, Häfen und Logistikzentren. Die Stärke von Vaidio liegt zudem darin, dass die Software direkt auf vorhandene Kamerasysteme ausgerollt werden kann – ohne zusätzlichen Installationsaufwand. So entsteht schneller ein klares Bild über Umfang und Art eines Risikos.
Während es in diesem Beispiel um Tiere entlang von Straßen geht, sind die Möglichkeiten in anderen Umgebungen mindestens genauso relevant. So kann beispielsweise sofort erkannt werden, ob ein Fahrzeug oder Kennzeichen bereits an einem oder mehreren Standorten gesehen wurde. Ebenso lässt sich nachvollziehen, wo sich eine Person zuvor aufgehalten hat – und sogar einschätzen, wo sie sich aktuell befinden könnte, nachdem sie das Sichtfeld der Kamera verlassen hat.“
Unfälle vermeiden und Daten generieren
Der Mehrwert dieser Zusammenarbeit geht weit über Echtzeitwarnungen hinaus. Die neueste Generation von AISecure360 baut auf einem System auf, das bereits seit 2011 im Einsatz ist. In dieser Zeit wurden mehr als 1.600 Kollisionen verhindert, Schäden um über 90 % reduziert und rund acht Millionen Euro an Kosten eingespart.
Diese Zahlen verdeutlichen den praktischen Nutzen des Systems, doch es gibt noch einen weiteren Effekt. Durch die Klassifizierung von Tieren und die systematische Erfassung von Ereignissen entsteht gleichzeitig ein wertvoller Datensatz zu Tierarten, Standorten und Bewegungsmustern. Wo früher aufwendige Feldstudien notwendig waren, entsteht heute automatisch ein deutlich umfassenderes Bild. Damit trägt die Lösung nicht nur zur Verkehrssicherheit bei, sondern auch zu einem besseren Verständnis der Biodiversität.
Möchten Sie mehr über diese Lösung erfahren? Ich helfe Ihnen gerne weiter!
Auch interessant zu lesen
VAIBS Image Analytics: der intelligente Filter für Leistellen
So verhindert Vision AI Fehlalarme in der Leitstelle



